Toxische Beziehungen & toxischen Liebeskummer verstehen & bewältigen. 
Verändere deinen Liebeschip* und genieße emotionale Unabhängigkeit!  
 

Männer Seelen.


"In drei Worten kann ich zusammenfassen, was ich über das Leben gelernt habe: es geht weiter."


- Robert Frost 


Aber was wenn nicht? Was, wenn es mal nicht mehr weitergeht? 


Es gibt durchaus Krisen im Leben, die vermitteln können, dass es ab hier definitiv nicht mehr weitergeht. Dass der Drops nun gelutscht und der Zug abgefahren ist. Oder es gibt Krisen, die dich gegen eine Wand oder auf einen Meeresgrund pressen, dich in Gänze lähmen oder ersticken, und sich als eine grausame Finsternis in all deinen Zellen zeigen. Und dann? Was tust du dann? 


Ich denke, dass du dir dann Zuwendungen wie Beistand oder Beratungen suchen wirst. Womöglich bist du damit auch bereits ganz gut versorgt, denn immerhin haben deine Familie oder dein Freundeskreis längst bemerkt, dass es dir überhaupt nicht gut geht. Oder du hast sie alle selbst darüber informiert, in welcher Verfassung du dich gerade befindest und warum.

Bild von Rudy and Peter Skitterians auf Pixabay


Damit wäre deine Situation bereits entschärft.


"Geteiltes Leid ist halbes Leid", sagt man und dem ist auch so. Die innere Gefühlswelt kann durch Gespräche immens entlastet werden. Gespräche wirken unglaublich heilsam und auch dann, wenn in ihnen gar keine Lösungen erarbeitet werden. Das Zuhören eines anderen bewirkt zwar keine Wunder, hilft aber dennoch auf seine ganz eigene Art und Weise "lindernd". Jeder, der diese Erfahrung bereits gemacht hat und jemanden an seiner Seite benennen kann, der 

ihm in einer belastenden Situation uneingeschränkt zugehört hat, ohne zu Werten und zu Urteilen, und dem man sich vollumfänglich öffnen konnte, der sich loyal und liebevoll verhielt, der weiß, worüber ich gerade spreche. 


Die allermeisten Menschen haben tatsächlich das Glück einen solchen "Begleiter" an ihrer Seite zu haben oder zu mindestens zu wissen, und all diese Menschen werden mir zustimmen und bestätigen, dass dies ein großes Glück ist. Doch dieses Glück kommt nicht nur Frauen wie mir zugute, sondern auch Männern. Frauen wird nichts im Wege stehen, um dieses Glück vollends auszukosten, aber Männer stehen in genau diesem Moment häufig vor gleich zwei Problemen:


1. In ihrer Kindheit und Jugend ist ihnen der Zugang zu eigenen Gefühlen und Bedürfnissen oftmals erschwert worden. 


2. Es gibt "Dinge", die einem Mann per se abgesprochen werden. 





Was ist damit gemeint? 

Zunächst möchte ich den ersten Punkt beleuchten und zitiere hierzu den Autor Björn Süfke aus seinem Buch "Männerseelen": 


"Die Wahrnehmung eigener Besonderheiten und Gefühle ist die Grundlage dafür, persönliche Schwierigkeiten konstruktiv zu lösen, sich individuelle Wünsche zu erfüllen sowie die eigenen Potenziale effektiv zu nutzen."


(Süfke, Björn (2010), Männerseelen, 9. Aufl., München Goldmann)


Durch ihre Kindheit und Jugend sind Männer häufig noch einmal mehr dahingehend geprägt worden, auf ihre Gefühle und Bedürfnissee selbst nicht eingehen zu können. Oder anders: sie haben durch ihre Prägung keinen oder weniger Kontakt dazu und leben - und vor allem erleben - bereits ihr Leben lang damit, was ihnen als kleiner Junge und heranwachsender Jugendlicher von anderen Menschen über das Mannsein vermittelt wurde. Was sie jedoch selbst an und in sich wahrnahmen, wurde ihnen häufig abgesprochen, so dass sie den Bezug zu ihren Empfindungen verloren haben. Oder ihn nicht klar benennen können. 


So kann ein Mann - im Gegensatz zu einer Frau -oftmals gar nicht kommunizieren oder anderweitig ausdrücken, was er empfindet oder wie es ihm geht. 


Nichtsdestotrotz befindet er sich jedoch in einem Gefühlszustand, der ihm hinderlich ist, ihn traurig oder hoffnungslos stimmt, oder ihn davon abhält, dass es irgendwie weitergehen könnte. 


Ausdrücken kann er es jedoch nicht und so ist es einem Mann oftmals vergönnt, dass er überhaupt und irgendwo ein heilsames Gespräch suchen oder finden kann, und - vor allem - erleben wird. 


Foto: Ali Yahya on Unsplash.com


Und selbst wenn einem Mann dies gelungen wäre, - also dass er sich seinen Zugang zu all seinen Empfindungen und Bedürfnissen vollends  bewahrt hätte- , so stünde er häufig dennoch vor einer weiteren Hürde. 


Diese ist, dass ihm die Gesellschaft, die Allgemeinheit oder seine eigenen Glaubenssätze absprechen, dass er - als Mann - sich überhaupt so fühlen darf.  



Hoffnungslos oder verzweifelt. Und dass er sich bezüglich seiner Empfindungen überhaupt entlasten möchte und muss, denn eigentlich - und insbesondere in seiner Rolle als Mann - ist er doch derjenige, der stets tapfer bleibt. Er ist der, der immer eine Lösung findet, völlig klar ist und sich niemals unterkriegen lässt.



Hinsichtlich Männern besteht leider nicht nur das Klischee der permanent sexbesessenen, ungeduldigen, gefühllosen und verrohten Gemüter, sondern darüber hinaus auch viele andere. Vor allem aber tiefere Empfindungen und Orientierungslosigkeit werden den Männern generell abgesprochen und so ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Männer beginnen zu schämen oder darüber zu sorgen, wenn sie  - vielleicht erstmalig - in einer emotionalen Krise landen und keinen Ausweg mehr finden können.  


Schließlich müssen sie sich doch wohl zusammenreißen und vor allem eine Lösung finden können. Insbesondere als Mann, der dies nun mal generell kann bzw. dazu geboren wurde. 


Und so bleiben vielen Männern Wege zu heilsamen Gesprächen versperrt und müssen zunächst einmal erschlossen werden. Frauen aber sind diese Wege meistens bereits erschlossen bzw. wurden in der Vergangenheit nicht verbaut.





"Man kann nicht immer ein Held sein, aber man kann immer ein Mann sein." 


- Johann W. v. Goethe 




Kaum ist das Klischee relativiert, so wird es bereits wieder ins Leben gerufen und irgendwie kann sich "Mann" daher nie vollends davon befreien, dass er stets ein Mann sein muss.  Geraten Männer in emotionale Sackgassen und empfinden sich selbst überhaupt nicht mehr als Held, so schweigen sie lieber dazu. Sich als hilfloser, trauriger oder sogar völlig verzweifelten Mann zu zeigen, dies ist häufige eine Barriere, die Männern den Zugang zu heilsamen Gesprächen verbaut.   


Immer ein Mann sein... 

Ist das nicht anstrengend? 

Ja, wenn man(n) Mannsein falsch definiert. 

Photo: Nobert Buduczki on unsplah



Mannsein definiert sich keinesfalls darüber, dass Männer stets und ständig mutige Helden sind. Dieses Bild ist falsch und macht nicht wenigen Männern das Leben an einigen Stellen immer mal wieder ziemlich schwer. Besonders dann, wenn es um Sorgen und Kummer auf ihrer Seelen Ebene geht. 


Tiefer Kummer und damit verbundene Lebenskrisen spielen sich auf Seelen Ebene ab und dies ist stets ein ganz wichtiger Anhaltspunkt für all meine männlichen Klienten, die viel zu oft meinen, dass sie sich mit ihren tiefen emotionalen Widrigkeiten von den Frauen distanzieren, und Stärke beweisen müssten, weil sie eben Männer sind. 


Was diese Männer jedoch unbedingt wissen und verstehen müssen, ist, dass Seelen kein Geschlecht besitzen und keine Klischees bedienen. Deshalb ist es für Männer häufig zunächst einmal wichtig, dass sie sich von ihren falschen Vorstellungen und Annahmen über das Mannsein befreien, und Probleme und Sorgen zunächst einmal ganz neutral bzw. ohne Geschlechterperspektive betrachten.  


Trauer und Kummer spielen sich auf Seelen Ebene ab. Nicht binnen der Geschlechteridentität. Das sind zwei ganz verschiedene Terrains. 





Photo by Rhema Kallianpur on unsplash

Meine Buchempfehlungen zum Thema: 


  • "Bin am Meer." von Udo Schroeter 
  • "Männerseelen" von Björn Süfke
  • "Die Möwe Jonathan" von Richard Bach
  • "Die Weisheit der Wale" von Steffi Schroeter 

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